1Auch beim Bouldern in Hobleau gilt: Immer den Überblick behalten. (Foto: Archiv Dittert)Es gibt da einen, der in der hiesigen Kletterszene selten im Rampenlicht steht, aber der die Menschen in seinem Umfeld kraft seiner klaren Art inspiriert: Peter Dittert. Dieser Peter scheint schon immer da gewesen zu sein. Dabei war er (in IG-Äonen gerechnet) nie wirklich jung, aber auch nie wirklich alt. Ein zeitlos markanter Typ, der auch mal eine unbequeme Wahrheit ausspricht oder vor Freude wie ein Kind durch die Halle springt. Und dieser Peter verfügt mit seinen just 62 Lenzen noch immer über eine Bärenkraft. Hätte es vor 30 Jahren schon Boulderwettkämpfe gegeben, Peter hätte immer auf dem Treppchen gestanden. Meine Damen und Herren, Teil 2 unserer Fragenreihe widmet sich nun diesem sympathischen Merseburger Urgestein.



Vorab ein kurzer Steckbrief:

Beruf: Vermessungstechniker
Klettert seit ungefähr 1991
Sport vor dem Klettern: Leichtathletik, Volleyball
„Mein Lieblingsklettergebiet liegt irgendwo im sonnigen Süden, idealerweise am Meer und ist gut abgesichert.“


Was verbindet Dich mit dem Klettern?

Sagen wir es mal so, ich verstehe nicht, wie ich die ersten 30 Jahre meines Lebens ohne das Klettern ausgekommen bin. Nun ist es schon wieder über 30 Jahre her, dass ich meine erste Route geklettert bin. Nämlich unter sachkundiger Anleitung von Gerald Krug und dessen Kletter-Vater Andreas Winkler, eine VIIa im Paarsch-Bruch in Löbejün. Von da an ging’s am Wochenende in die Steinbrüche der Region oder in die Sächsische/Böhmische Schweiz. An verlängerten Wochenenden waren die etwas tiefer im Tschechischen gelegenen Gebiete wie Adrspach, Prachovske Skaly, Suche Skaly, Prihrazy, … angesagt. Was den besonderen Reiz für mich ausmachte, war, dass das immer so ein ganzheitliches Erlebnis war. Also nicht nur zu klettern als Sport, sondern, mit meist recht vielen Freunden, in der Natur zu sein, auf einem Gipfel zu chillen, im Gipfelbuch zu blättern, abends am Lagerfeuer ein paar Bierchen zu trinken und in der Boofe, auf einer Wiese oder sonst wo zu schlafen.
Eine hervorragende Verbindung bilden natürlich auch Reisen und Klettern. Reisen ist sozusagen, frei nach Wolfgang Güllich, integraler Bestandteil des Kletterns. Nach der Wende gab’s ja da auch einiges nachzuholen. Und so habe ich im Verlauf meiner Kletterkarriere zwischen Antsiranana auf Madagascar und dem Zillertal in Österreich schon einige schöne Fleckchen unseres Planeten sehen dürfen. Gerade in den ersten 20 Jahren war Urlaub für mich immer ein Synonym für „länger klettern“.
Auch habe ich dabei die verschiedenen Spielarten ausprobieren können. Von der Besteigung des Aconcagua (6959m) in Argentinien über abenteuerliche Kletterei im algerischen Hoggar-Gebirge, Sportklettern im Thailändischen Krabi bis zum Bouldern in Fontainebleau.

3“Wake & Bake”, 7a+, Tonsai Beach, Krabi, Thailand. (Foto: Archiv Dittert)

In den letzten Jahren ist, familiär bedingt, aus dem Kletterurlaub (mit Ausnahmen) eher ein Urlaub mit ein bisschen klettern geworden. Aber meine Schuhe habe ich immer dabei. Und wenn ich dann an den phantastischen Granitblöcken auf den Seychellen oder im Block-Meer des Erongogebirges in Namibia meine eigenen Linien kreiere, dann ist das auch nicht ganz schlecht.
Womit wir beim Bouldern angekommen sind. Das ist in den vergangenen Jahren mein Hauptbetätigungsfeld geworden. Zum einen kann ich mich nach Feierabend innerhalb kurzer Zeit richtig schön auspowern. Zum anderen entfällt die nervige Fahrerei. Im Kombinat oder an der Kobra ist man, auch von Merseburg aus, schnell. Weil’s aber draußen schon schöner ist, bin ich da auch immer auf der Suche nach „Heimat-Baustellen“. Dabei konnte ich die Boulderwelt mit den Spots Schleuse Wüsteneutzsch (kann man mal machen) und Eisenbahnbrücke Kollenbey (ziemlich geil) „beglücken“.
Ab und zu überwinde ich aber doch meine Abneigung gegen lange Autofahrten. Und dann stelle ich fest … so ein Wochenende mit Freunden in der Sächsischen/Böhmischen Schweiz ist immer noch was Besonderes!

2Peter werkelt auf seiner Heimatbaustelle Eisenbahnbrücke Kollenbey in „Adrenalin“, 7A. (Foto: Tino Kluge)


Was verbindet dich mit der IG Klettern Halle/Löbejün?

Das sind in erster Linie Gerald und Chris. Was die Beiden für das Klettern in Halle getan haben, das ist einfach unglaublich. Ich bin von Anfang an dabei, hatte aber nie einen Posten inne. Wenn es etwas zu tun gab, sei es bei der Durchführung der SSW oder bei Arbeitseinsätzen im Aktienbruch oder am Thüringer Bahnhof, war ich aber schon zur Stelle.


Was verbindet dich mit dem Leben?

Dazu fällt mir jetzt gar nichts Geistreiches ein. Vielleicht: Die Welt ist ein … , aber das Leben ist trotzdem schön. Mag jeder entscheiden, wodurch er die Pünktchen ersetzt, ich persönlich verwende an dieser Stelle immer das Wort „Scheißhaus“. Na ja, mit der Philosophie wird das wohl bei mir nichts mehr … ich bleibe beim Klettern, noch möglichst lange.

4Diese Aufnahme ist historisch, nicht weil sie (oder der Kletterer) so alt ist, sondern, weil es den Felsen nicht mehr gibt: Peter an der „SW-Kante“, VIIIa, der Schwarzen Wand, Hohburger Berge. (Foto: Gerald Krug, 2007)